Bezirksgeschichte

Hackinger Schloss

Seit 1958 steht an dieser Stelle das Jugendgästehaus „Hütteldorf“.

Bei einem brückenlosen Wienflußübergang, am Hang des Hacken- (Hagen-) berges befand sich in strategisch wichtiger und beherrschender Lage seit der Mitte des 13. Jahrhunderts die Veste Hacking. Die Burganlage besaß Wall und Graben. Im 14. Jahrhundert wurde der bis zum Burgwall reichende Wald gerodet. Die Wasserversorgung erfolgte durch die Quellen im h. Lainzer Tiergarten und in der Gegend der h. Hagenberggasse. Neben dem Hauptgebäude lagen Wirtschafts-, Vorrats- und Wohngebäude. Die Untertanenhäuser befanden sich im Talgrund. Unter der Regierungszeit von Herzog Albrecht V. (1404–39) wurden der verwahrloste Wall und Graben gründlich instandgesetzt. Während der Türkenbelagerung 1529 wurden Burg und Häuser schwer in Mitleidenschaft bezogen; die Veste war noch 1535, als sie der Kaiserliche Rat und Skretär Wilhelm Putscher als Lehen erhielt, eine Brandruine ohne Dach und konnte in den folgenden Jahren nur notdürftig repariert werden.



Auf dem Vischer-Stich aus dem Jahr 1672 ist die Burg ein stattlicher Bau, zu dessen Anlage auch eine Kapelle gehörte. Unterhalb der Burg steht der Wirtschaftshof mit der Auffahrt. Im Tal liegen die Häuser des Dorfes.



Bereits 1667 wrd berichtet „(…) die Capelle in der Vestung und Schloss Hackhing eine alte Capelle seye in deme soliches nit allein die alten fenserstein ihr gemauerter altar stein (…) sondern auch die Capellen Thür (…) Und also diß alls alte Kennzecihen an Tag geben thuen, daß solches, wie gemelt, für Uralte Capellen sey item bin ich zurverlässig berichtet worden, daß solches Güettl hievor die Erzherzoge Von Österreich gehabt, Und alda den Gottesdienst gehalten haben (…)“ Diese Burgkapelle war auch für die Dorfbewohner zugänglich.

1683 wurde die gesamte Anlage erneut durch die Türken zerstört. Besitzer war damals Christof Freiherr von Abele von und u Lilienberg, Hofkammerdirektor und Geheimer Rat. Nach seinem Tod 1685 verkaufte die Witwe 1687 an Franz Albert Freiherrn von Kletzl.



1722 ist das Schloss zur Hälfte neu ausgebaut und von einem gemauerten Graben umgeben. Eine Mauer umschloß den fünf Tagewerk (etwa 17 000 m2) großer Garten. Zum Schloss gehörte damals auch ein Preßhaus mit darunterliegendem Keller. 1774 umfasste der Besitz neben Garten und Preßhaus auch Waldungen, den Meierhof, ein Dienstbotenhaus und die jenseits der Wien gelegene Mühle mit „Lederey“ und Gasthaus.



In einer Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1824 wird der Zustand des Schlosses kurz vor dem letzten wesentlichen Umbau beschrieben: Es gab noch die aus der Mitte 18. Jahrhunderts stammende Gliederung in Haupttrakt und Seitenflügel. Ebenerdig waren drei Vorhäuser mit einer Haupt- und zwei Schneckenhausstiegen, ein Salon, drei Zimmer und drei Kabinette mit gewölbten Decken, drei Zimmer mit Stuckdecken sowie eine große Küche eingerichtet. Im ersten Stock lagen ein Zimmer und zwei Kabinette mit gewölbten Decken, fünf Zimmer und fünf Kabinette mit Stuckdecken.

Im Souterrain waren ein großer, vier kleinere Keller und eine Eisgrube untergebracht. Noch um 1750 wurde die Anlage als geringer dimensioniert beschrieben.



An Nebengebäuden werden ein Wirtschaftstrakt (drei Küchen, sieben Zimmer, zwei Kammern, ein Badezimmer) mit großem Hof und Brunnen, ein Stall für 16 Kühe, eingewölbter Stall für 11 Pferde, zwei Futterkammern, ein weiterer Stall für vier Pferde und eine Remise für sieben Wagen genannt. Der im englischen Stil gehaltene ca. 22 000m2

große terassenförmig angelegte Garten wird als Lust-und teis als Küchen- und Obstgarten beschrieben. In ihm befanden sich ein durch eine Rohrleiter gespeister Teich, ein Lusthaus und ein Treibhaus. Eine Mauer umgab die gesamte Anlage. Der Überlauf aus den Quellen floß entlang der heutigen Schlossberggasse zum Wienfluß.



Während des Besitzes durch Louise Baronesse Plaideux von Mainau wurden 1826 die Stallungen abgerissen und das Schloßgebäude umgebaut. 1831 stand es „(…) im neuen Style (...)“da.

1830 erwarb Prinz Gustav von Wasa (1799–1877), Sohn des schwedischen Königs Gustav Adolf IV., in Hacking einige Häuser; 1832 kaufte er das Schloß und ließ 1833 durch den Baumeister Jakob Heinz erneut Umbauten vornehmen.

Ein Plan für die Neuerrichtung der Nebengebäude ist aus den Jahren 1833/34 erhalten. Darin ist eine Vergrößerung der Stallung für 30 Pferde vorgesehen. Ob es dazu kam, ist nicht belegbar.



Spätenstens 1832 – auf einem Ortsplan eindeutig ablesbar – wies das Hauptgebäude die bis zu seinem Abbruch bestehende Gestaltung auch in den Details auf. Die Grundkonzeption der Anlage ist jedoch bereits auf dem Brequin Plan aus den Jahren 1754/55 erkennbar. Die einzige Tochter Gustavs von Wasa, Carola, spätere Königin von Sachsen, wurde 1833 in Hacking geboren. Sie verkaufte 1879 das Schloß an den aus belgisch-deutschem Adel stammenden Josef Prinzen von Arenberg, dessen Famillie es bis 1898 innehatte.



1888 wurden Pläne für ein neues Glashaus erstellt; 1907 erfolgte an der rechten Seite ein Anbau. Die letzte private Besitzerin war Eleonora van der Straaten-Ponhoz. Sie verkaufte 1954 an die Gemeinde Wien.



1956/57 wurde das Schloß mit „Leuthäusel“ abgerissen und an seiner Stelle 1956-58 nach Plänen von Fred Freyler das Jugendgästehaus „Hütteldorf“ errichtet. Es besteht aus einem hohen Trakt mit Schlafräumen und aus einem niederen mit Halle, Speisesaaal, Küche und Gemeinschaftsräumen. Ein Türstock mit Füllung aus dem Schloß ist noch in einer Privatwohnung in der Auhofstraße erhalten. [...]

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