Vorkehrungen für Flüchtlingsstrom aus Odessa

Notunterkünfte an Don Bosco-Standorten in Moldau | GF Heiserer bei Besuch vor Ort: „Raketen-Angriff auf Odessa zeigt die Wichtigkeit von Vorbereitungsmaßnahmen in Grenznähe.“

Foto: JEW

Vorkehrungen für Flüchtlingsstrom aus Odessa

28.07.2022

Laut aktuellen Statistiken von UNHCR flüchteten fast sechs Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer seit Kriegsbeginn aus ihrem Heimatland. Das ist mehr als ein Achtel der Gesamtbevölkerung des Staates in Osteuropa. Österreichs Hilfsorganisation Jugend Eine Welt unterstützt seit März dieses Jahres mit Hilfe der Austrian Development Agency (ADA) die Salesianer Don Boscos sowie Concordia Moldau und Rumänien bei der Betreuung von Kriegsflüchtlingen. Eigens eingerichtete Notunterkünfte an zahlreichen Standorten bieten den Geflüchteten, insbesondere Frauen, Kindern und Familien, einen sicheren Ort.

Vor Ort in Moldau
Aktuell sind noch nicht alle Flüchtlings-Unterkünfte an den beiden Don Bosco Standorten in Moldaus Hauptstadt Chisinau und Cretoaia – etwas außerhalb von Chisinau – vollständig belegt. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies bald der Fall sein wird, steigt jedoch leider von Tag zu Tag. „Es herrscht wohl die Ruhe vor dem Sturm“, schildert Wolfgang Wedan, Nothilfe-Koordinator von Jugend Eine Welt, beim Besuch des Grenzübergangs Palanca. Das 1.700 Einwohner-Dorf Palanca, am südöstlichsten Eck von Moldau gelegen, ist nur knapp 60 Kilometer von der ukrainischen Schwarzmeerstadt Odessa entfernt. „Aktuell kommen hier pro Tag rund 150 Flüchtlinge aus der Ukraine über die Grenze. Es ist aber damit zu rechnen, dass es leider bald mehr werden“, so Wedan, der seit März für Jugend eine Welt vor Ort ist.

Moldau ist für mögliche Flüchtlingsströme gerüstet. Ein Erstaufnahmelager von UNHCR gleich hinter der Grenze garantiert maximal 1.500 Personen nach ihrer Ankunft in Moldau Schutz für die ersten Stunden. Die daneben eingerichtete Registrierungsstelle koordiniert ihre Weiterreise und die Suche nach einer sicheren Unterkunft für die nächsten Wochen bzw. Monate

Unterkünfte für Flüchtlinge
Diese bietet Österreichs Hilfsorganisation Jugend Eine Welt mit ihren Projektpartnern vor Ort. Im beschaulichen Ort Cretoaia sind ausschließlich ukrainische Mütter mit ihren Kindern untergebracht. Sowohl der Besuch des dortigen Kindergartens, als auch die Schaffung von „kinderfreundlichen Rückzugsmöglichkeiten“ helfen den traumatisierten Kindern bei der Bewältigung ihrer Erlebnisse. Die Don Bosco-Einrichtung in Chisinau beherbergt aktuell Mütter mit Kindern bzw. ältere Personen. Concordia, Partner von Jugend Eine Welt im Zuge des von der ADA finanzierten Projekts, bietet ebenfalls Unterkünfte und Betreuung für Flüchtlinge in Moldau sowie in Rumänien. „Die Menschen kommen oft nur mit dem Nötigsten über die Grenze und sind froh, wenn sie ein Dach über dem Kopf haben. An den Standorten schaffen wir einen sicheren Zufluchtsort und leisten wichtige Betreuungsarbeit“, erzählt Wedan.

Sommer-Camps für Kinder und Jugendliche
Besonders Kinder und Jugendliche leiden unter der aktuellen Situation und versuchen die schrecklichen Bilder, die sie in ihrer Heimat mitansehen mussten, zu verarbeiten. Mit Unterstützung von Jugend Eine Welt organisieren die Don Bosco-Projektpartner in Chisinau für sie zweiwöchige Sommer-Camps. Gemeinsam mit aus ärmlichen Verhältnissen stammenden AlterskollegInnen aus Moldau können sie bei verschiedenen Aktivitäten wie Spielen, Tanzen oder Zeichnen wieder „Kind sein“ und den Alltag, so gut es geht, vergessen. Insgesamt nehmen 560 Kinder und Jugendliche teil – darunter 160 aus der Ukraine.

Vorbereitung auf Flüchtlingsströme
Zurück im kleinen Grenzort Palanca. Während gerade eine ukrainische Großfamilie aus Odessa auf ihrer Flucht den Grenzübergang passiert, treffen zwei Raketen den Hafen ihrer Heimatstadt. Die Familie will weiter nach Rumänien. Andere entschließen sich in Moldau zu bleiben, um in naher Zukunft wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Wann das sein wird, weiß niemand. „Laut unseren Informationen halten sich aktuell rund 200.000 Ukrainerinnen und Ukrainer in Odessa auf, jederzeit auf dem Sprung sich vor Bomben und Krieg nach Moldau in Sicherheit zu bringen. Der Raketen-Angriff auf Odessa am Samstag zeigte nachdrücklich, wie wichtig die Vorbereitungsmaßnahmen auf größere Flüchtlingsströme in Grenznähe sind“, berichtet Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt, über die vielen konstruktiven Gespräche, die er bei seinem Besuch am vergangenen Wochenende vor Ort führte.

Bildungsangebote und Nothilfe
Fix ist, dass Anfang September für die vielen geflüchteten ukrainischen Kinder und Jugendlichen wieder die Schule beginnen sollte. „Wir versuchen gerade für alle, die sich in den Don Bosco-Einrichtungen befinden, einen Online-Unterricht in ukrainischer Sprache zu organisieren. E-Learning-Angebote wären somit eine Möglichkeit zu verhindern, dass die Kinder und Jugendlichen Monate ohne Schulbildung bleiben“, schildert Heiserer.

Neben der Bereitstellung von Notunterkünften in den an die Ukraine grenzenden Ländern leistet Jugend Eine Welt auch Nothilfe direkt vor Ort. Ende August bringt ein LKW dringend benötigte Medikamente und medizinischen Produkte, u.a. ein Beatmungsgerät für Frühgeborene, in ein Spital in Odessa. Weitere Hilfslieferungen sind in Planung. „Mein großer Dank geht auf der einen Seite an alle SpenderInnen und FördergeberInnen, die Jugend eine Welt in der aktuellen Ukrainehilfe unterstützen, und auf der anderen Seite an alle Menschen und Organisationen in Grenznähe und in Chisinau, die hier ganz wichtige Organisations- und Betreuungsarbeit leisten. Unser Besuch zeigte mir, wie wichtig ihre und unsere Hilfe ist“, so Heiserer abschließend.


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