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Lynch-Syndrom

Foto: Rotraud Priesner

Oberarzt Dr. Philip de Maré, Leiter des Darmgesundheitszentrums im St. Josef Krankenhaus Wien.

Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung des Mannes und der Frau, wobei Männer im Schnitt häufiger daran erkranken. Etwa fünf Prozent aller Fälle lassen sich auf eine Genveränderung zurückführen.

Das Lynch-Syndrom, auch als hereditäres nicht-polypöses kolorektales Karzinom (HNPCC) bekannt, ist eine erbliche Krebserkrankung, die das Risiko für Darmkrebs und Krebserkrankungen von Begleitorganen erhöht. Die Genmutationen beim Lynch-Syndrom führen also nicht nur zu Tumoren der Darmschleimhaut, sondern auch zu anderen Krebsformen wie Krebs der Gebärmutterschleimhaut, der Eierstöcke, des Magens, des Dünndarms, der Nieren oder der Bauchspeicheldrüse. Die Betroffenen erkranken oft schon in jungen Jahren.

Erhöhtes familiäres Risiko für Darmkrebs
Indikatoren, die auf ein erhöhtes Risiko hinweisen können, sind z. B. eine familiäre Häufung von Darmkrebs, oder wenn die Betroffenen bei Erkrankungsbeginn jünger als 50 Jahre sind. Aufmerksam sollte man auch werden, wenn in einer Familie bestimmte andere assoziierte Krebserkrankungen wie Magen-, Harnwegs-, Gebärmutterschleimhaut- oder Eierstockkrebs diagnostiziert wurden, insbesondere bei Verwandten ersten Grades (Eltern, Geschwister und Kinder). In diesem Fall sollten Angehörige nicht abwarten, sondern einen Termin zur Früherkennungsuntersuchung vereinbaren. Während Darmkrebs in den meisten Fällen sieben bis zehn Jahre braucht, um sich von einer kleinen Zellveränderung zu einem Karzinom zu entwickeln, sind es beim Lynch-Syndrom nur etwa ein bis drei Jahre. Durch eine rechtzeitige Diagnose mittels molekulargenetischer Untersuchungen können Betroffene und ihre Familien geeignete Vorsorgemaßnahmen ergreifen, um das Risiko einer Krebserkrankung zu verringern oder diese frühzeitig zu erkennen.

Früherkennung von größter Bedeutung
Oberarzt Dr. Philip de Maré, Leiter des Darmgesundheitszentrums im St. Josef Krankenhaus Wien, liegt nicht nur die Therapie, sondern auch die Prävention am Herzen: „Bei der Diagnose des Lynch-Syndroms spielt die Früherkennung eine entscheidende Rolle. Diese erfolgt vor allem durch die Darmspiegelung, bei Frauen durch regelmäßige gynäkologische Untersuchungen inklusive transvaginalem Ultraschall.“ Verwandte von Patient*innen, die an diesen möglicherweise vererbbaren Darmkrebsarten erkrankt sind, sollten abklären, ob auch sie diese Genveränderung in sich tragen. Ist dies der Fall, wird das Netz der Vorsorgeuntersuchungen enger geknüpft. Dr. de Maré: „Früherkennung und engmaschige Nachsorge sind der Schlüssel zur Vorbeugung und Heilung von Darmkrebs und Krebserkrankungen der assoziierten Organe. Ist die Patientin oder der Patient bereits erkrankt, ist eine interdisziplinäre Behandlung durch eine Kombination von Operation mit eventueller Chemo- und Strahlentherapie notwendig.“ Durch eine frühzeitige Diagnose können bessere Behandlungserfolge für die Betroffenen erzielt werden.


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