Distance Learning für ukrainische Flüchtlingskinder

Österreichs Hilfsorganisation schafft in Don Bosco-Einrichtungen Angebot für Online-Unterricht | GF Heiserer: „Kinder dürfen aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen nicht ihrer Bildung beraubt werden.“

Foto: JEW

Distance Learning für ukrainische Flüchtlingskinder

06.09.2022

Für über vier Millionen schulpflichtige Kinder und Jugendliche aus der Ukraine startet heute offiziell das neue Schuljahr. Aufgrund des anhaltenden Kriegs in ihrer Heimat werden drei von vier ukrainische Kinder der Schule fernbleiben müssen. Zu dieser Schätzung gelangt das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten. Denn einerseits beschädigten bzw. zerstörten russische Angriffe viele Schulen und andererseits werden noch intakte Bildungseinrichtungen oftmals als Notunterkünfte genützt. Darüber hinaus mussten nach Informationen des UN-Kinderhilfswerks UNICEF mehr als zwei Millionen ukrainische Kinder aus ihrer Heimat flüchten und fanden in Nachbarländern einen sicheren Zufluchtsort. „Home Schooling“ ist somit mittlerweile die einzige Möglichkeit das ukrainische Bildungssystem aufrechtzuerhalten.

Große Nachfrage nach Distance Learning-Möglichkeiten
Jugend Eine Welt leistet seit Kriegsbeginn in der Slowakei, Polen, Rumänien, der Republik Moldau und in der Ukraine Nothilfe für Kriegsflüchtlinge. Diese erhalten in den Einrichtungen der Don Bosco-Partner unter anderem Schlafplätze, Lebensmittel, Transporthilfen und medizinische sowie psychologische Betreuung. Aber auch Betroffenen, die in privaten Unterkünften untergebracht sind, stehen die Türen offen. Ergänzend zu den bereits über die Sommermonate geschaffenen Hilfs- und Bildungsangeboten der Jugend Eine Welt-Projektpartner haben schulpflichtige Kinder ab sofort zusätzlich die Möglichkeit via Distance Learning weiterhin am ukrainischen Schulsystem teilnehmen zu können. Etwa am Don Bosco-Standort in Chi?in?u, der Hauptstadt der Republik Moldau. „Die Plätze für Distance Learning waren binnen zwei Tage alle vergriffen“, erzählt Wolfgang Wedan, Nothilfe-Koordinator von Jugend Eine Welt. „Der Bedarf ist riesig, wir würden auch gerne mehr Plätze anbieten. Doch leider fehlt uns noch die entsprechende Infrastruktur. Es mangelt an Computern und schnellem Internet“.

Fremde Unterrichtssprache als Hürde
Die immense Nachfrage nach Distance Learning-Angeboten hat einen Hintergrund. Die fremde Unterrichtssprache in den Nachbarländern stellt für ukrainische Flüchtlingskinder und Jugendliche eine große Sprachbarriere dar. Beispielsweise in der Republik Moldau, wo der Unterricht auf Rumänisch stattfindet. Zusätzlich werden die Schulzeugnisse aus der Republik Moldau in der Ukraine nicht anerkannt. „Viele Mütter, die mit ihren Kindern in Chi?in?u Zuflucht gefunden haben, wollen diese daher nicht hier in die Schule schicken. Bei vielen ist die Hoffnung, bald wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können, groß. In Anbetracht dessen, dass abgelegte Prüfungen in der Ukraine nicht gelten, wäre es für ihre Kinder somit ein verlorenes Jahr“, erzählt Wedan. Die Kinder und Jugendlichen, mit ihren Müttern meist bei Verwandten, Gastfamilien oder in Hotels untergebracht, kommen in der Früh zu Unterrichtsbeginn in den Don Bosco-Standort. Nach den Distance Learning-Einheiten erhalten sie zudem die Möglichkeit eines „After School Programs“, einer kostenlosen Nachmittagsbetreuung bzw. Lernhilfe in ukrainischer/russischer Sprache. „Die Kinder und Jugendlichen leiden psychisch massiv unter dem Krieg in ihrer Heimat. Sie wurden aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen und mussten schreckliche Dinge mitansehen. Gleichzeitig haben sie ihre Zukunft noch vor sich. Sie dürfen aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen nicht ihrer Bildung beraubt werden! Dank der Unterstützung unserer Freunde, Förderer, Partner-Institutionen sowie Unternehmen ist es uns möglich, zumindest einen Teil via Distance Learning weiterhin am ukrainischen Schulsystem teilhaben zu lassen“, hofft Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt, das Angebot in naher Zukunft noch ausbauen zu können.

Bitte helfen Sie weiterhin!
Neben dem Standort in Chi?in?u unterstützt Jugend Eine Welt mit seinen Don Bosco Partnern in der Republik Moldau eine zweite Nothilfe-Einrichtung. In Cretoaia, einem kleinen Ort rund eine Stunde südöstlich der Hauptstadt, finden Frauen mit ihren Kindern Zuflucht. „Eigens geschaffene Rückzugsmöglichkeiten helfen den traumatisierten Kindern bei der Bewältigung ihrer Erlebnisse. Zusätzlich können sie den angeschlossenen Kindergarten besuchen, ebenso die Vorschulklasse sowie die Nachmittagsbetreuung“, schildert Nothilfe-Koordinator Wedan.

Der gestern erfolgte Rat der ukrainischen Regierung an die Bevölkerung, aus den umkämpften Gebieten im Osten und Süden des Landes noch vor Beginn der kalten Jahreszeit zu flüchten, lässt Heiserer weitere Flüchtlingsströme in den kommenden Wochen befürchten. „Gemeinsam mit unseren Projektpartnern vor Ort treffen wir aktuell alle Vorkehrungen, um vorbereitet zu sein. Bitte helfen Sie uns weiterhin mit Ihrer Spende“, so der Jugend Eine Welt-Geschäftsführer abschließend.


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