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25.04.2024


Lesung - Unser Looshaus in Lainz

Foto: Peter Thomas Suschny

Peter Thomas Suschny , zeigt seine Persönlichen Erinnerungen und Beobachtungen über sein Leben im haus Helene Horner , Architekt Adolf Loos, und dazu seinen Heimat Bezirk Hietzing und die Grätzelumgebung .


Das Haus hieß anfänglich einfach nur "Haus in der Nothartgasse", dieser Namen wurde dann ca. ab Burkhard Rukschcio (der um 1982 bei uns zu Besuch war und viel fotografiert hat) und seinen ausgiebigen Recherchen in Buchform auf "Haus Horner" nach der ersten Besitzerin, Frau Helene Horner (1868 - 1944) benannt.

Ursprünglich wurde die Bauzeit mit 1912/13 datiert - vor rund 10 Jahren erfuhr ich beim Ober St. Veiter Historiker Josef Holzapfel, dass er erfahren hat, dass das Haus 1910 - 1912 errichtet wurde - übrigens sind die geraden Nummern in der Nothartgasse Ober St. Veit und das Haus Horner schon in der KG Lainz gelegen, schön aber, dass er dennoch auch bei Josef Holzapfel seinen Ehrenplatz hat.

Jedenfalls konnte ich jetzt bei Ralf Bock und Timo Riess nachlesen, dass das Haus eine Vorwegnahme von Adolf Loos Tätigkeit ab 1921 beim Siedlerverein gewesen ist, die Autogarage neben der Einlegewohnung, von der aus die Waschküche mit Direktzugang zum Garten als auch das Gewächshaus (bei Bock/Riess als kleiner Wintergarten bezeichnet) wurde ursprünglich schon als Stall verwendet wurde - dazu gab es Obstbäume - wir hatten 1972 noch zwei Kirschenbäume und einen Nussbaum, dieser trug bis 1995 noch Früchte und wurden diese dann nicht mehr nachgesetzt. Richtig ist - meine Schwester und der Schwager ließen die sehr feucht gewordene Einlegewohnung komplett sanieren - dass die Bewohnerfamilie 1916/1917 dort drei Pferde hielt, die Pferdehaken haben wir fotografiert - durchaus stimmen dürfte auch der Militärrang, erst 1921 dient der zum Generalmajor aufgerückte Antál Baron von Lehár(1876 - 1962) seinem Herren, Kaiser Karl (1887 - 1922) als Verteidigungsminister bei den zwei gescheiterten Restaurationsversuchen in Ungarn.
Warum der jüngere Bruder des bekannten Operettenkomponisten Ferenc von Lehár aber immer wieder zu einem Anton Lahar verkommt, ist mir rätselhaft - Anton ist natürlich richtig, wie Antál und wie Ödenburg auch Sopron genannt wird und Straß-Sommerrein ebenso Hegyeshalom, als ich 1972 in der AHS begonnen habe, standen sämtlich amtsdeutschen österreichischen Namen vorne im Mittelschulatlas drinnen.

Die beiden Folgefamilien Knoll (1917 - 1929) und Ottilie Weinberger (1929 - 1935) sind nicht wirklich bedeutend, aber spannend wird es wieder ab 1935, als ein Mor (Moritz?) Guth im Grundbuch auftaucht, gelegentlich wird behauptet, die arme Frau Horner wurde direkt aus der Nothartgasse zur Deportation geholt. Dass sie im KZ ermordet wurde, ist richtig, aber beim Nazi-Einmarsch 1938 wohnte sie schon 22 Jahre nicht mehr dort. Sie wurde nämlich schon sehr früh von ihrem Mann verlassen - er soll ein Andreas Horner gewesen sein - ein gleichnamiger ebenso jüdischer Herr, der schon 1910 verstorben ist und immer auch mir am Anfang bei der Recherche untergekommen ist, ist eben nicht Helene Horners Mann gewesen (Genauere Recherchen dazu bei Herrn Werner Rosenberger vom Kurier, könnte ich bei Interesse auch als pdf an Sie senden).

Mor Guth wurde 1938 mit der Reichsfluchtsteuer belegt - ähnlich wie meinen Eltern Kitty Sophie (25. 11. 1924 - 3. 11. 2019), gleich im Dezember mit einem Kindertransport nach Manchester bzw. Dr. Otto Suschny (28. 8. 1924 - 25. 2. 2021) über die Jugendalijah, die Aron Menczer (1917 - 1943) organisierte, per Zug nach Triest und mit der Fähre nach Britisch-Palästina - gelang auch ihm die Flucht.

Der tschechisch-österreichische jüdische Architektur-Historiker Stephan Templ konnte recherchieren, dass Herrn Guth die Flucht gelungen ist und daher die Reichsfluchtsteuer von RM 80.000,-- nicht bezahlt hat, sie wurde dann 1947 gelöscht und dazwischen wohnte eine reichsdeutsche Kaufmannsfamilie Karl Bickenbach im Haus, deren Tochter einmal in den zeitigen 1980ern auftauchte und höflich fragte, ob sie das Haus sehen darf, beim Gehen erzählte sie dann "Ich habe ja da als Kind gewohnt" - naturgemäß war Mama nicht sehr amüsiert, als sie das erst dann gehört hat
Dank der von mir gelesenen Fakten wurde das Elternhaus also wohl an kleinere Nazi-Sympathisanten ab 1938 weitergegeben, eine echte Arisierung kann ich dadurch aber nicht erkennen und noch schöner ist, dass sich Mor Guth wohl mit Karl Bickenbach einigen konnte, denn er steht ab 1947 wieder im Grundbuch drinnen.

Herr Guth entschied sich dann 1950 dazu, dass er das Haus Horner an die Schweizer Bally Schuhe AG verkauft - die hatten nämlich lange ein österreichisches Werk in 1150 Wien, Stutterheimstraße 16 - 18 - eine schön gestaltete Schauvitrine befindet sich seit rund 10 - 15 Jahre im Bezirksmuseum Fünfhaus in der Rosinagasse 4.
Recherchen zu Bally haben ergeben, dass die Schweizer zwar im 1. Weltkrieg die k. & k. Armee ausgestattet haben, im 2. Weltkrieg aber keine Geschäfte mit den Nazis tätigten.

Ein schöner Schlusssatz: auf meine Recherche nach Bildmaterial früherer Nachbarsleute oder Bewohnerinnen und Bewohner meldete sich Herr Christian Müller, der 1963 - 1969 in unserem Haus wohnte - Evelyne Horner, die Tochter der ersten Bewohnerin war die Klavierlehrerin seiner Schwester.

Veranstaltungsinfos

  • Grätzleben
  • Nothartgasse 40
  • 25.04.2024
    17:00 - 18:00 Uhr

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