Kaufleute sorgen sich um geplante Neugestaltung der Lainzer Straße

Foto: ZOOMVP.AT - Mobilitätsagentur Wien

Die geplante Neugestaltung der Lainzer Straße sorgt bei zahlreichen Unternehmerinnen und Unternehmern in Alt-Hietzing für Unruhe.

Die geplante Neugestaltung der Lainzer Straße sorgt bei vielen Unternehmerinnen und Unternehmern in Alt-Hietzing für große Verunsicherung. Das Einkaufsgrätzl Althietzing hat seine Sorgen und Forderungen deshalb nun in einem offenen Brief an Wiens Mobilitäts- und Planungsstadträtin Ulli Sima zusammengefasst.

Kritisiert wird vor allem der geplante Entfall zahlreicher Stellplätze. Nach den derzeit bekannten Planungen sollen entlang einer ganzen Straßenseite mehr als 100 Parkplätze wegfallen. Gerade für die vielen kleinen Geschäfte und Familienbetriebe im Grätzl könnte das laut den Kaufleuten erhebliche Auswirkungen haben.

Das Einkaufsgrätzl Althietzing zählt mehr als 70 aktive Mitgliedsbetriebe, insgesamt befinden sich laut Verein rund 200 Geschäfte in Gehweite. Die Kaufleute sehen den nahezu lückenlosen Branchenmix, der sich über Jahrzehnte entwickelt hat, durch die geplante Neuaufteilung des Straßenraums gefährdet.

„Wir sind keine Gegner von Veränderung“
Dabei betonen die Unternehmer ausdrücklich, dass sie weder gegen die notwendige Erneuerung von Gleisen und Leitungen noch gegen den Ausbau eines hochwertigen Radwegenetzes seien. Als positives Beispiel wird die Umgestaltung der Altgasse genannt. Veränderungen würden von der Bevölkerung angenommen, wenn sie einen klar erkennbaren Mehrwert für das Grätzl bringen. Bei der derzeit vorgesehenen Radwegführung in der Lainzer Straße sei dieser Mehrwert aus Sicht der Kaufleute allerdings noch nicht ausreichend erkennbar.

Besonders entscheidend sei die Erreichbarkeit der Betriebe. Viele Kundinnen und Kunden seien auf das Auto angewiesen und würden teilweise auch von außerhalb Hietzings kommen. Fällt die Möglichkeit weg, in unmittelbarer Nähe einzukaufen und zu parken, bestehe die Gefahr, dass Kundschaft verstärkt auf Einkaufszentren ausweiche.

Auch ältere Menschen, Patientinnen und Patienten von Ordinationen oder Handwerker mit Werkzeug und Material müssten bei einer Neugestaltung berücksichtigt werden. Gleichzeitig gebe es im Umfeld derzeit kein Garagenangebot, das einen Stellplatzverlust in dieser Größenordnung kompensieren könnte. Zusätzlich befürchten die Betriebe Belastungen durch die lange Bauphase.

Kaufleute fordern Prüfung von Alternativen
Das Einkaufsgrätzl fordert deshalb mehr Transparenz über die Entscheidungsgrundlagen. Gewünscht werden unter anderem eine nachvollziehbare Stellplatzbilanz sowie Informationen darüber, welche alternativen Varianten geprüft und aus welchen Gründen diese verworfen wurden.

Gemeinsam mit den Betrieben, dem Bezirk und den Interessenvertretungen sollen außerdem Lösungen untersucht werden, die einen sicheren Radweg ermöglichen und gleichzeitig weniger Parkplätze kosten.

Als mögliche Alternative nennen die Kaufleute etwa eine Radwegführung über die Wenzgasse in Richtung Fahrradstraße Auhofstraße. Dadurch könnten ihrer Ansicht nach Ladezonen und Stellplätze im Einkaufsgrätzl erhalten bleiben. Auch eine Verlegung des Radwegs auf die andere Straßenseite wäre aus Sicht der Unternehmer eine Verbesserung gegenüber der derzeit bekannten Planung.

Ladezonen und Kurzhalteplätze gefordert
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Erreichbarkeit für den Wirtschaftsverkehr. Gefordert werden ausreichend Grätzl-Ladezonen und Kurzhaltemöglichkeiten sowie geeignete Haltebereiche bei Ordinationen und Nahversorgern. Auch zusätzliche Stellplätze im unmittelbaren Umfeld sollten geprüft werden. Die gemeinsame Prüfung von Grätzl-Ladezonen durch Wirtschaftskammer und Stadt wird von den Kaufleuten ausdrücklich begrüßt.

Für Betriebe, die während der Bauphase erhebliche wirtschaftliche Einbußen erleiden, wünschen sich die Unternehmer außerdem ein eigenes Unterstützungsmodell. Als Beispiel wird auf bestehende Modelle im Zusammenhang mit dem Wiener U-Bahn-Ausbau verwiesen.

Das Einkaufsgrätzl will sich gleichzeitig aktiv in die weitere Planung einbringen. Die Unternehmer vor Ort würden Kundenwege, Anlieferzeiten und problematische Stellen im Grätzl aus ihrer täglichen Arbeit kennen.

Die zentrale Frage sei daher, wie eine sichere und zeitgemäße Radverbindung geschaffen werden könne, ohne gleichzeitig die Erreichbarkeit eines der traditionellen Wiener Einkaufsgebiete zu schwächen. Aus Sicht der Kaufleute müsse beides möglich sein.



  23.10.2026  

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