Warum geraten wir immer wieder in ähnliche Beziehungsmuster?

Dominik Etzl ist Psychotherapeut in Hietzing: Eine psychoanalytische Perspektive darauf, weshalb uns manche Konflikte, Erwartungen und Gefühle in unterschiedlichen Beziehungen immer wieder begegnen.

Vielleicht kennen Sie die Erfahrung: Eine Beziehung endet, einige Zeit später beginnt eine neue – mit einem ganz anderen Menschen. Und dennoch stellt sich irgendwann ein erstaunlich vertrautes Gefühl ein. Wieder entsteht der Eindruck, zu wenig gesehen zu werden. Wieder fällt es schwer, eigene Bedürfnisse auszusprechen. Oder man merkt, dass man sich nach Nähe sehnt und gleichzeitig zurückzieht, sobald sie tatsächlich entsteht.

Solche Wiederholungen können irritierend sein. Besonders dann, wenn wir sie eigentlich längst erkannt haben. Warum geraten wir trotzdem immer wieder in ähnliche Beziehungssituationen?

Aus psychoanalytischer Sicht kann es hilfreich sein, Beziehungen nicht nur danach zu betrachten, wer der andere Mensch ist, sondern auch danach, mit welchen Erwartungen, Erfahrungen und inneren Vorstellungen wir selbst in eine Beziehung gehen.

Beziehungen beginnen nicht bei null


Von frühen Beziehungen an sammeln wir Erfahrungen darüber, wie Nähe funktioniert. Wir erleben, wie auf unsere Bedürfnisse reagiert wird, was passiert, wenn wir enttäuscht oder wütend sind, wie Konflikte ausgetragen werden und wie sicher oder unsicher sich Abhängigkeit anfühlt.

Aus diesen Erfahrungen können sich Vorstellungen darüber entwickeln, was wir von anderen Menschen erwarten können – und was wir selbst tun müssen, damit Beziehungen bestehen bleiben.

Diese Vorstellungen müssen nicht bewusst sein. Kaum jemand denkt ausdrücklich: „Ich darf meine Bedürfnisse nicht zeigen, sonst werde ich verlassen.“ Trotzdem kann sich jemand in Beziehungen immer wieder stark anpassen und erst spät bemerken, wie wenig Raum für die eigenen Wünsche geblieben ist.

Ein anderer Mensch kann sich sehr nach Nähe sehnen und gleichzeitig Distanz herstellen, sobald eine Beziehung verbindlicher wird. Wieder jemand anderes übernimmt selbstverständlich Verantwortung für die Gefühle anderer und erlebt es als schwierig, Grenzen zu setzen.

Warum erscheint uns Vertrautes manchmal so überzeugend?


Menschen suchen nicht ausschließlich nach dem, was angenehm ist. Wir orientieren uns auch an dem, was uns vertraut ist.

Bestimmte Beziehungssituationen können deshalb eine besondere Anziehungskraft oder Selbstverständlichkeit entwickeln, selbst wenn sie belastend sind. Nicht weil wir bewusst leiden möchten, sondern weil unser bisheriges Erleben beeinflusst, worauf wir achten und wie wir Situationen deuten.

Ein Beispiel: Wer stark damit rechnet, verlassen zu werden, kann besonders aufmerksam auf Anzeichen von Distanz reagieren. Vielleicht wird dann häufiger nach Bestätigung gesucht. Der andere erlebt dies möglicherweise als Druck und zieht sich tatsächlich etwas zurück. Dieser Rückzug verstärkt wiederum die ursprüngliche Angst.

So können beide Beteiligten unbeabsichtigt dazu beitragen, dass eine vertraute Beziehungserfahrung erneut entsteht.

Warum reicht es nicht, das Muster einfach zu erkennen?


Viele Menschen verstehen ihre eigenen Muster bereits erstaunlich gut.

  • „Ich weiß, dass ich mich immer zu stark anpasse.“
  • „Ich weiß, dass ich schnell Angst bekomme, verlassen zu werden.“
  • „Ich weiß, dass ich mich zurückziehe, sobald jemand mir wirklich nahekommt.“

Trotzdem verschwindet die Reaktion nicht automatisch.

Der Grund liegt auch darin, dass solche Muster nicht nur aus Gedanken bestehen. Sie sind mit Gefühlen, Erwartungen und Erfahrungen verbunden. Rational zu wissen, dass eine Situation heute anders ist, bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass sie sich auch anders anfühlt.

Genau hier setzt die psychoanalytisch orientierte Psychotherapie an. Es geht nicht nur darum, ein Muster zu benennen, sondern zunehmend zu verstehen, welche Bedeutung es hat und weshalb es so überzeugend geworden ist.

Beziehungsmuster in der Psychotherapie verstehen


In einer psychoanalytisch orientierten Psychotherapie können aktuelle Partnerschaften ebenso Thema sein wie frühere Beziehungen, Familie, Freundschaften oder andere wichtige Erfahrungen.

Interessant ist dabei nicht nur, was passiert, sondern auch, wie jemand eine Situation erlebt. Wann entsteht beispielsweise das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden? Wann wird Nähe unangenehm? Wann fällt es schwer, Ärger, Enttäuschung oder eigene Wünsche auszudrücken?

Auch die therapeutische Beziehung selbst kann dabei wertvolle Hinweise geben. Erwartungen und Unsicherheiten, die aus anderen Beziehungen bekannt sind, können mitunter auch im therapeutischen Gespräch sichtbar werden und dadurch gemeinsam betrachtet werden.

Ziel ist nicht, Menschen in ein bestimmtes Beziehungsschema einzuordnen. Vielmehr soll ein differenzierteres Verständnis des eigenen Erlebens entstehen.

Mehr Handlungsspielraum statt „perfekter Beziehungen“


Psychotherapie kann nicht garantieren, dass Beziehungen konfliktfrei werden. Konflikte, Enttäuschungen und Ambivalenzen gehören zu menschlichen Beziehungen.

Veränderung kann aber darin bestehen, vertraute Muster früher wahrzunehmen und besser zu verstehen. Dadurch entsteht möglicherweise ein Moment, in dem nicht mehr automatisch die gewohnte Reaktion folgen muss.

Wer beispielsweise zunehmend versteht, weshalb das Aussprechen eigener Bedürfnisse so bedrohlich erscheint, kann nach und nach neue Erfahrungen damit machen. Wer erkennt, warum Distanz gerade dann entsteht, wenn Nähe wichtig wird, kann anders auf diesen Impuls reagieren.

So kann sich der eigene Handlungsspielraum erweitern.

Psychotherapie und Psychoanalyse in Hietzing


Ich bin Dominik Etzl, Psychotherapeut in Fachausbildung unter Lehrsupervision mit psychoanalytischer Ausrichtung, und arbeite in meiner Praxis in 1130 Wien-Hietzing mit Erwachsenen und Jugendlichen.

Wiederkehrende Beziehungskonflikte, Schwierigkeiten mit Nähe und Distanz oder das Gefühl, immer wieder in ähnliche Situationen zu geraten, können ein Anlass für Psychotherapie sein. Dabei muss zu Beginn noch nicht klar sein, woher ein bestimmtes Muster kommt.

Oft reicht zunächst die Wahrnehmung: „Irgendetwas wiederholt sich – und ich möchte besser verstehen, warum.“

Wer sich vertiefend mit diesem Thema beschäftigen möchte, findet auf meiner Website den Beitrag „Warum wiederholen sich Beziehungsmuster?“.

Dominik Etzl


Psychotherapeut in Fachausbildung unter Lehrsupervision
Psychoanalytische Ausrichtung
Praxis für Psychotherapie & Psychoanalyse in 1130 Wien-Hietzing

https://www.psychotherapie1130.com



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