Villa Bahr
Villa Bahr
Villa Bahr

Villa Bahr

Von J. M. Olbrich für den Dramatiker Hermann Bahr erbaute Villa im Stil eines süddeutschen Bauernhauses.

„Und erinnern Sie sich, wie wir voriges Jahr in St. Veit auf der Höhe standen? Es war im Herbst, Sie steckten den Platz für mein Haus ab. Tief unten liegt die Stadt in Dampf und Dunst, rings rauscht es aus Gärten, hier ist Alles rein und frei. (...) Und ich höre Sie heute noch, wie Sie mit Ihrer festen und heiteren Stimme sagten: Stil! Englisch! Secession! Was sind das für alberne Worte! Jeder soll machen, was er fühlt, wie er's eben fühlt – mit der Zeit wird sich's dann schon zeigen, was er wert ist!'“ (Hermann Bahr in „Secession“. S. VII)
An der Grenze Ober-St. Veits zum Lainzer Tiergarten ließ der Dramatiker und Kritiker Hermann Bahr (1863–1934) von J. M. Olbrich für sich und seine Frau eine im Typus dem süddeutschen Bauernhaus verwandte Villa errichten.

Der Baugrund – ehemalige Weingärten – gehörte zwischen 1886 und 1893 den alteingesessenen Ober-St.Veiter Familien Puraner und Glasauer, 1893 wurde er von dem Direktor des Deutschen Volkstheaters, Emmerich von Bukovics, erworben, der auf dem Areal 1899 eine Villa in historistischem Stil erbauen ließ (heute stark verändert). Einen Teil dieses Grundstückes verkaufte er an H. Bahr. Diese Tatsache fand auch in einem Ehrenbeleidigungsprozeß gegen den Herausgeber der Zeitschrift „Die Fackel“, Karl Kraus, Erwähnung. H. Bahr war von dem Beklagten der nicht stichhältige Vorwurf gemacht worden, aufgrund seiner positiven Kritiken der Aufführungen des Deutschen Volkstheaters von dessen Direktor den Baugrund geschenkt erhalten zu haben. Tatsächlich wurde jedoch ein Kaufvertrag zum üblichen Preis abgeschlossen. Daß es sich um einen Freundschaftsdienst E. v. Bukovics' an H. Bahr gehandelt haben mag, versucht der Verteidiger von K. Kraus in dem Prozeß mit den folgenden Worten zu erläutern: „Wenn man eine so schöne Aussicht hat wie Herr v. Bukovics aus seiner Villa, so muß man schon ganz besonders gefällig sein, wenn man sich so ein secessionistisches Haus wie das goldene Krauthäuptel auf der Wienzeile (Heiterkeit) vor die Nase bauen läßt.“

In der ruhigen Abgeschiedenheit entstand ein Haus, das in den Jahren 1900 bis 1912 zu einem Treffpunkt des künstlerischen Wien werden sollte. Zu den Gästen zählten Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Richard Beer-Hofmann, Gustav Klimt, Kolo Moser, Otto Wagner, Joseph Maria Olbrich, weiters nach der 1909 geschlossenen zweiten Ehe Bahrs mit der Hofopernsängerin und Richard Wagner-Interpretin Anna von Mildenburg Richard Strauss und Gustav Mahler.

1912 übersiedelte H. Bahr nach Salzburg, wohin er auch die von J. M. Olbrich entworfenen Möbel mitnahm.

1914 wurde durch den Stadtbaumeister Friedrich Gurtmann eine Erweiterung des gesamten Baues gegen Süden vorgenommen, durch die im Parterre die Vergrößerung der Halle, im ersten Stock der Einbau eines Studierzimmers sowie im Dachgeschoß die Einrichtungen eines zweiten Bades und einer Garderobe erfolgten. Bereits 1916 wird das Haus als unbewohnt und baufällig beschrieben; die Holzdekorationen befanden sich durch Witterungseinflüsse in desolatem Zustand. Sie bestehen heute nicht mehr.

Eine weitere Adaptierung führte 1955 Paul Berghof durch. Im Osten wurde eine Garage mit darüberliegender Terrasse angebaut, im Haus selbst veränderte man Tür- und Fensteröffnungen, einige Scheidemauern wurden abgetragen. [...]

Winzerstraße 22

Baujahr: 1899/1900
Architekt: Joseph Maria Olbrich
Bauherr: Hermann Bahr

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