Villa Blaimschein
Villa Blaimschein
Villa Blaimschein

Villa Blaimschein

Karl Renner führte hier Verhandlungen zur Bildung einer provisorischen österreichischen Staatsregierung mit Vertretern zahlreicher Parteien.

Der Grund, auf dem die Villa errichtet wurde, gehörte Ende des 18. Jahrhunderts zum sog. „Großen Herrschaftshaus“, das im Zusammenhang mit der Faistenmühle (-> Faistenmühle, Bd. I, S. 130ff) zu sehen ist; er grenzte an das zwischen 1867 und 1882 bestehende Areal des Vergnügungsetablissements „Neue Welt” (-> „Neue Welt“ , Bd. I, S. 178f). Es ist erstaunlich, daß in unmittelbarer Nähe dieses regen gesellschaftlichen Lebens und Treibens der Bau der Villa geplant und ausgeführt wurde. Stadtbaumeister Josef Wenz errichtete sie nach Plänen von Wilhelm Stiassny für den Kaufmann Leon Mandl (Mandel).

1900 erwarb das Gebäude der Margarinefabrikant Carl Blaimschein, der im selben Jahr einen Wintergarten errichten ließ. 1927 wurde das Dachgeschoß ausgebaut, ein Jahr später fügte man an der Ostseite eine Terrasse an. 1938 mußte Blaimschein Österreich verlassen. In der Folge kam es zu weiteren Adaptierungen, die jedoch nur geringfügige Eingriffe in die Bausubstanz darstellten. Die Nachkommen Blaimscheins besaßen die Villa bis 1958; seit dieser Zeit ist sie Eigentum der Republik Iran.

Für die jüngere österreichische Geschichte ist das Gebäude von Bedeutung, da hier Karl Renner vom 21. bis 27. 4. 1945 mit Vertretern der Sozialistischen Partei (Adolf Schärf, Theodor Körner, Josef Mentasti), der Österreichischen Volkspartei (Leopold Kunschak, Josef Kollmann) und der Kommunistischen Partei (Johann Koplenig, Ernst Fischer) Verhandlungen zur Bildung einer provisorischen österreichischen Staatsregierung führte. Am 27. 4. 1945 trat die provisorische Regierung mit einer Proklamation, einer Unabhängigkeitserklärung und einer Regierungserklärung vor die Öffentlichkeit. Am selben Tag stellte Karl Renner als Staatskanzler dem russischen Oberkommandierenden die Mitglieder des Kabinetts vor.

Korrektur
Nach Karl Blaimschein’s Tod am 21.5.1933 geht die Villa komplett in den Besitz von Irma Blaimschein über. 1938 erfolgte die Beschlagnahmung durch die Nationalsozialisten. [...] Irma Blaimschein erhielt die Villa nach der Kapitulation Nazi-Deutschlands am 8.5.1945 wieder zurück, die sie 1958 an die Republik Iranver kaufte. Bis heute ist die ehemalige Blaimscheinvilla in deren Besitz die darin ihre Botschaft eingerichtet hat.
Pauls, Kohl, Zsutty: Das Imperium des Carl Blaimschein, 2010

Lainzer Straße 28

Erbaut: 1875
Architekt: Wilhelm Stiassny
Bauherr: Leon Mandl

Fotogalerie