Villa XAIPE
Villa XAIPE
Villa XAIPE

Villa XAIPE

Josef Hoffmann, Richard Eybner, Richard Strauss, oder Arthur Schnitzler, Persönlichkeiten die es stets aufs neue auf das Anwesen zog.

In unmittelbarer Nähe der 1793 gebauten Villa befand sich bis 1756 die dorthin versetzte „Kattermühle“ (später „Steyrermühle” -> Bd. I, S. 135ff.). Sie war ursprünglich Teil eines Kleinadelssitzes und wurde, als Kaiser Maximilian II. diesen zu einem Jagdschloß ausbauen ließ, abgetragen und knapp außerhalb des kaiserlichen Tiergartens in verkleinerter Form wiedererrichtet. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts floß der vom Wienfluß abgeleitete Mühlbach nur mehr spärlich, da sein Wasser diverse Bassins des Schloßgartens speiste.
Nach dem Abbruch der Mühle 1756 errichtete man an ihrer Stelle die Wassermaschine des Schlosses, die von Pferden oder Ochsen betrieben wurde. Sie ist im 1819 erstellten Franziszeischen Kataster unmittelbar neben der Villa eingezeichnet. Das heute hier liegende Gebäude Grünbergstraße 2, das rechts hinter der Villa befindliche sog. „Schubertstöckl“, weist im Keller einen nach wenigen Metern abgemauerten, in Richtung Schloß führenden „Gang“ auf, bei dem es sich um den Wasserabfluß aus der Wassermaschine handeln könnte.

1793 ließ Raimund Wetzlar von Plankenstern die Villa erbauen. Sein Vater, der kaiserliche Hofagent Karl Abraham Wetzlar, war 1777 für seine dem Staat erwiesenen Dienste von Kaiser Joseph II. geadelt worden.
Das schon 1789 errichtete, langgestreckte Nebengebäude gehörte ursprünglich Franz und Magdalena Kramser. Erst ab 1810 ist dieser Trakt mit dem Hauptbau in einer Hand vereint.

Das sog. „Schubertstöckl“ war einst Gartenhaus der Villa und ist, da Pläne und Grundbucheintragungen fehlen, nicht genau zu datieren. Nach den alten Ortsplänen zu schließen, wurde es zwischen 1820 und 1869 erbaut.

Um 1800 fand im runden Salon des ersten Stockes der Villa, der sich durch gute Akustik auszeichnet, ein „Wettkampf” im Klavierspiel zwischen Ludwig van Beethoven und dem damals berühmten Pianisten Josef Wölfl statt. „Dort verschaffte der höchst interessante Wettstreit der beiden Athleten nicht selten der zahlreichen, durchaus gewählten Versammlung einen unbeschreiblichen Kunstgenuß; jeder trug seine jüngsten Geistesprodukte vor; bald ließ der eine oder der andere den momentanen Eingebungen seiner glühenden Phantasie freien ungehemmten Lauf; bald setzten sich beide an zwei Pianoforte, improvisierten wechselweise über gegenseitig sich angegebene Themas und schufen also gar manches vierhändige Capriccio, welches, hätte es im Augenblick der Geburt zu Papier gebracht werden können, sicherlich der Vergänglichkeit getrotzt haben würde.“

1848 – zu dieser Zeit waren der ungarische Adelige Emerich Marhsó de Verebely und seine Frau Besitzer der Villa – wohnte hier der vermögende Privatier Ignaz Mayer von Alssó-Ruszbach, der wöchentlich einen Jour fixe veranstaltete, an dem hervorragende Gelehrte und Künstler teilnahmen. Die Villa galt zu dieser Zeit als Treffpunkt für Anhänger liberalen Gedankengutes, besonders auch von ungarischen Landsleuten Alssó-Ruszbachs, die sich durch eine Revolution die Loslösung Ungarns von der Monarchie erhofften.
Unter dem Eigentümer Raimund Wolfgang Reichsritter von Manner, der aus mährischem Adel stammte und 1861 die Villa erwarb, kam es 1906 zum Einbau einer eisernen Wendeltreppe vom ersten Stock in den Dachboden, 1907 wurde an der Gartenseite im ersten Stock eine auf Holzsäulen ruhende Terrasse angebaut, sodaß eine Vorfahrt zum Eingang entstand; 1908 erfolgte in dem zur Villa gehörenden Nebentrakt der Einbau einer Automobilgarage, nachdem bereits vier Jahre vorher in diesem Trakt ein Teil des Pferdestalles für eine Waschküche abgetrennt worden war.

1916 erwarb das Mitglied des ehemaligen Herrenhauses des österreichischen Reichsrates, Erwin Graf Nostitz-Rienek, die Villa. Er ließ durch Stadtbaumeister Hugo Schuster im Souterrain durch Isolierungen eine Trockenlegung vornehmen. Im Erdgeschoß wurde eine Scheidemauer abgerissen sowie eine Dienertreppe eingebaut; im ersten Stock entfernte man die eiserne Wendeltreppe und schuf gegen Westen neue Fensteröffnungen.

1920 errichtete man im Nebengebäude an Stelle der Waschküche eine weitere Garage. Damals befanden sich in diesem Trakt noch vier Dienerzimmer und eine große Küche.

1927/28 wurde in den Erdgeschoßräumen der Villa ein Kaffeehaus, das „Café Schlössl“, eingerichtet; dies geschah nach den Richtlinien des Denkmalschutzes, dem das Gebäude 1927 unterstellt worden war. 1932 adaptierte man auch das Nebengebäude für den Kaffeehausbetrieb. Die gesamte Liegenschaft war seit 1927 an das Ehepaar Julius und Maria Bokor verpachtet. Die geschmackvolle Ausstattung und der prächtige Garten zogen bedeutende Persönlichkeiten aus Kultur und Kunst an, wie Richard Strauss, Josef Hoffmann, Arthur Schnitzler, Richard Eybner oder Wilma Degischer.

1939 wurden nach der ein Jahr vorher erfolgten gewaltsamen Vertreibung der Pächter sowohl die Villa als auch das Nebengebäude unter den neuen Besitzern, einem deutschen Ehepaar, wieder Wohnzwecken zugeführt. Im Erdgeschoß des Hauptgebäudes kam es hiebei zu verschiedenen Änderungen und zur Schaffung einer großen Wohnung. Im ersten Stock bestand bereits vorher eine Wohnung, in der Mansarde waren ebenfalls vor 1939 drei kleinere Wohnungen eingerichtet worden.

1949 wurde unter einem neuen Besitzer die stark beschädigte Dachdeckung ausgebessert; das Gebäude hatte in den Kriegs- und Besatzungsjahren stark gelitten.

Schönbrunner Straße 309

Baujahr: 1793
Bauherr: Raimund Wetzlar von Plankenstern

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