Das Sturmjahr 1848

Am 6. Oktober 1848 brach die Wiener Oktoberrevolution aus.

Der Drang der Bürger nach politischer Mitbestimmung wurde vom kaiserlichen Militär blutig unterdrückt.

Abenteuerlich war die Auffindung eines Chronisten über Geschehen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Lokalgeschichtliche Ereignisse, Landschaftsschilderungen, Anekdoten über den verrückten Wirt in Hacking, wurden in den Briefen der Baronin Scharenhorst an ihre Freundin, der Gräfin Eveline Sickingen-Hohenberg, festgehalten.

Hacking war zu dieser Zeit Zentrum fürstlicher Besuche. Im Barockschlössl, dessen Besitzer der Exthronfolger von Schweden Prinz Gustav von Wasa war, spielte sich auch die Liebesromanze zwischen Wasas einziger Tochter Carola (Carolaweg auf dem Himmelhof), der späteren vorletzten Königin von Sachsen und des späteren Kaiser Franz Josef ab.

Und hier der Bericht über das Revolutionsjahr 1848, wie es unsere Augenzeugin sah, erlebte und ihrer Freundin schrieb:

Hacking, 8. April 1848
…Man hört in den Strassen nur noch Politik, von Staatsverfassung, Privilegien, Fortschritt, Pressefreiheit…

Der Geist der Konzessionen ist auch unter den Handwerkern laut geworden. Die Zünfe kommen eine nach der anderen zu Hunderten in die Stadt, um Verminderung der Arbeitsstunden und Vermehrung des Tageslohnes zu begehren…

Hacking, 2.Mai 1848
…Seit dem 15. April, der Geburtsfeier des Kaisers und der Verleihung der Konstitution ist es ruhiger geworden…

Ohne Ortsangabe, 22. Oktober 1848
…Den 6. Oktober fuhren wir wie gewöhnlich um elf Uhr nach Schönbrunn. Der Prinz kam um 2 Uhr zum Dinner aus der Stadt, wo noch alles ruhig war…
Gleich nach der Tafel begleiteten wir ihn (Prinz Wasa) aus Schönbrunn, fanden aber schon auf dem Wege Bewegung von Verstärkungen, um die Wachen dort zu verdoppeln. Wir fuhren nach Hacking zurück...

Nach einer Stunde kehrte der Prinz mit den schrecklichsten Nachrichten zurück. Er berichtete vom Morde Latours und dem Auflauf des Volkes, dem der Kommandierende die Zugänge der Stadt offen gelassen hatte und der sich nun im Verein mit der Nationalgarde gegen das Militär wende. Dieses zieht im Straßenkampf immer den Kürzeren, wie es sich bei dieser Gelegenheit aufs Neue bestätigt.

Es wurde die ganze Nacht unter dem Donner der Kanonen und dem Sturmgeläute aller Glocken Wiens und der umliegenden Ortschaften St. Veit, Hütteldorf, Hietzing etc. (die Koffer) gepackt. Der Lärm der Geschütze schien so nahe, als wohnten wir vor der Linie. Die Nationalgarden der umliegenden Ortschaften geben sich Signale der Wachsamkeit. Schüsse vielen auf Schüsse, als wären wir im Zentrum einer Schlacht. Ich trat mehrere male hinaus auf meinen Balkon des Hackinger Schlosses, der die Aussicht auf die Stadt hat, in der Angst, sie in Flammen zu sehen.

Um 6 Uhr erhielten wir von Schönbrunn die Nachricht, der Kaiser werde um 8 Uhr unter Militärbedeckung von 5000 Mann und 8 Kanonen aufbrechen und Hacking passieren. Alles wurde in Bereitschaft gesetzt, um uns dem Hofe anzuschließen, der um ½ 9 Uhr vorbeizog. Wir folgten, die kaiserliche Hoheit und ich in einer Kalesche, die Reisewagen mit den Frauen holten uns in Purkersdorf ein. Die Majestäten fuhren Schritt für Schritt, der Infanterie wegen, die ebenso wie die sie begleitenden Kürassiere die Nacht im Freien waren. In Purkersdorf wurde halt gemacht, das Militär rastete...

Ohne Ortsangabe, 13. März 1848
…Die Überraschung war groß, als die Manifeste und die Konstitutions-Akte am 7. März (1849) am Rathaus in Wien und an den öffentlichen Plätzen der Vororte angeschlagen wurden. Wie am 2. Dezember hatte niemand eine Ahnung davon und wie damals ging ein herrlicher Tag über den Jubel des Volkes auf.

Hacking, 22. Juni 1848
Seit dem 18. sind wir hier in den stillen, grünen, blühenden Hacking, wo alles so frisch und freundlich uns umgibt.

Ja, die Revolution war beendet, die Einwohner der Orte erhielten Freiheit und eigene Gerichtsbarkeit. Noch im Jahre 1849 kam die Königin von Griechenland mit ihrer schönen Hofdame Monza Michalis von der Insel Samos und nahm Aufenthalt im Schloß Hacking. Auch Franz Grillparzer besuchte wieder seinen Freund, den k.k. Rechnungsrat Johann Baptist Weiss, den Herausgeber der „Jörgl Briefe“ in Lainz. Das Leben hat sich normalisiert, nun schritten die Bürger zur Arbeit.