Speising setzt auf „dynamische“ Skoliose-Operationen

Im Orthopädischen Spital Speising wird eine innovative OP-Technik bei Skoliosen angewandt. Die Beweglichkeit der operierten Wirbelsäulenabschnitte bleibt erhalten, deshalb sind die Ergebnisse hinsichtlich der Lebensqualität besser.

Foto: Alek Kawka /Orthopädisches Spital Speising

Speising setzt auf „dynamische“ Skoliose-Operationen

04.07.2021

Eine Skoliose ist eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule. Sie tritt bei drei Prozent aller Kinder und Jugendlichen auf. Ist eine Skoliose schwer, sollte sie rechtzeitig operiert werden. Ziel der Operation ist es, die Krümmung zu reduzieren und ein Voranschreiten der Krümmung zu verhindern.

Die Standardoperation endet in einer Versteifung von längeren Wirbelsäulenabschnitten; die gewohnte Beweglichkeit ist eingeschränkt, zur Bewältigung des Alltags müssen die Patient*innen ihre Bewegungsmuster anpassen.

Kunststoffseil statt Metallstäbe

Im Orthopädischen Spital Speising in Wien wird eine alternative, neue Technik eingesetzt: „Bei der Methode der ‚dynamischen Skoliosekorrektur‘ werden die Wirbel wie bei der Versteifung mit Schrauben besetzt, die Schrauben dann jedoch anstelle von Metallstäben mit einem speziellen Seil, das aus einem medizinischen Kunststoff besteht, verbunden. Damit lässt sich die Krümmung korrigieren und die Wirbelsäule bleibt trotzdem beweglich“, erläutert der Skoliose-Spezialist Dr. Stefan Schenk, der als Oberarzt am Wirbelsäulenzentrum diese Operation im Orthopädischen Spital Speising eingeführt hat.

Schenk: „Der Erhalt der Beweglichkeit ist der größte Vorteil der neuen Methode. Durch einen harmonischeren Übergang zwischen operierten und nicht-operierten Wirbelsäulenabschnitten ergeben sich günstige Auswirkungen auf die Nachbarsegmente“.

Ein weiterer Vorteil ist die - im Vergleich zur Versteifung - weniger invasive OP-Technik, „die Schmerzen nach der Operation sind entsprechend unserer Erfahrung geringer als nach einer klassischen Versteifung“, so Oberarzt Schenk. „Daraus ergibt sich auch eine kürzere Gesundungsphase. Die Vollbelastung kann in der Regel innerhalb weniger Wochen erreicht werden.“

Einschränkend ist zu sagen, dass die Korrekturmöglichkeit aufgrund des verwendeten Materials geringer ist. Da keine knöcherne Versteifung angestrebt wird, kann das Seil mittelfristig brechen, was zu einem teilweisen Korrekturverlust führt. Auch ist nicht jede Form der Skoliose mit dieser innovativen Methode behandelbar, da der operative Zugang zur Wirbelsäule von seitlich gewählt wird.

„Besonders geeignet für diese neue Methode sind Skoliosen im Bereich der Lendenwirbelsäule und mildere Skoliosen bis zu einem „Cobb-Winkel“ von max. 70 Grad“, erklärt Dr. Stefan Schenk

Konkret gibt es zwei große Anwendungsbereiche für diese innovative Technik, führt Professorin Dr. Petra Krepler, Leiterin des Wirbelsäulenzentrums, aus:

• Bei fast ausgewachsenen Jugendlichen, die an einer Skoliose leiden, wird das Seil unter hoher Spannung angelegt, um die Skoliose so gut wie möglich zu korrigieren.
• Die zweite Anwendungsmöglichkeit ist die Wachstumslenkung bei Patient*innen, die noch deutliches Wachstumspotential haben: Durch Einsatz des Seils auf der konvexen, längeren Seite, kann das Wachstum gehemmt werden. Die konkave, kürzere Seite holt auf, und die Skoliose „wächst sich aus“

Da die Methode relativ neu ist, ist sie nicht als „goldener Standard“ zu sehen, denn es gibt bisher keine Langzeitstudien. Erste Ergebnisse sind jedoch vielversprechend. Das Orthopädische Spital Speising ist in dieser Methode in Österreich führend.


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