Befreiung. Punkt


Nur ein Fest der Freude oder bloß eine „Wasserscheide“?

Befreiung. Punkt


13.05.2015

Am Fest der Freude freut sich der Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, dass er noch nie eine so kompakte Feier zum 8. Mai erlebt habe. Und sinngemäß weiter, es werde immer richtiger. Bei aller Freude ist die Frage angebracht, warum es eben nicht immer richtig war. Diese Frage kann der Gesellschaft und den PolitkerInnen nicht ersparen werden, bei aller Freude. Es war wohl Realpolitik, die hier auch die Sicht auf die Geschichte geprägt hat. Das Gefühl der Befreiung gab es nur für jene, die sich unterdrückt fühlten.

Bei einem Sieg gibt es auch Verlierer und wer will schon gerne bei den Verlierern sein, wenn die dann auch WählerInnen der jeweiligen Partei werden sollen. Daher war es durch Jahrzehnte üblich vom 8. Mai als Ende des Krieges, als Kapitulation, als Geburtsstunde der 2. Republik zu sprechen. Befreiung, wenn überhaupt war immer nur mit einem Nebensatz verbunden. Als Entschuldigung quasi, Befreiung, aber Besatzung.

Natürlich gibt es auch im 70. Jahr noch immer Reden mit Befreiung, aber, auch von sozialdemokratischen Politikern. Natürlich gibt es immer noch die Wendung von der „dunklen Zeit“. Dieses Bild ist mein Lieblingsbild, denn die Dunkelheit bringt es mit sich, dass die Konturen verschwinden. In der Dunkelheit sehen wir nichts, weder Täter noch Opfer, weder Mörder noch Verräter und alle die, die dazwischen waren.
Natürlich wird weiter von „unschuldigen Opfern“ gesprochen und ich frage mich, wer bitte waren die schuldigen Opfer. Aber es wird immer richtiger. Das stimmt. Natürlich passiert es noch, dass in einer ORF Dokumentation am 8. Mai mit einem schier unglaublichen Bildmaterial davon gesprochen wird, dass der Massenmord „eskalierte“. Wie sieht ein kontrollierter Massenmord aus?

Die Sprache kann zuweilen das Denken verkleben und das Gefährliche ist, dass es wenigen aufzufallen scheint. Es gehört nicht „Mut“ dazu die Geschichte einer Kleinstadt in der NS-Zeit zu dokumentieren. Es ist gut gemeint, dieses Engagement so zu beschreiben, das so anzuerkennen, wie es mir und vielen „GeschichtsarbeiteInnen“, die anecken und keine Ruhe geben, immer wieder passiert ist. Bei aller Freude darüber: Es ist nicht Mut zu sagen was ist. Nicht in Österreich. Es wäre auch nicht Mut gewesen, auch schon 1995 zu sagen: Befreiung. Punkt. Und mit dem Spuk auf dem Heldenplatz in der Krypta Schluss zu machen.

Freuen wir uns, dass es immer richtiger wird. Der Bundespräsident schafft es dann vor Beethovens „Ode an die Freude“ vom 8. Mai als einer „Wasserscheide“ zu sprechen, eine „Wasserscheide zwischen Diktatur und dem Bemühen um Demokratie“. Mehrmals stehen wir am Heldenplatz an der Wasserscheide, ein neuer Begriff und damit umschifft er den Begriff der Befreiung, gekonnt. Fantastisch. Segeln wir in noch bessere Zeiten. „Oh Freude“. Auf dem Plakat steht bereits 70 Jahre Befreiung. Alles wird immer richtiger.

Dr. Robert Streibel, Historiker, Direktor der VHS Hietzing. Zuletzt erschienen „Krems 1938-1945. Eine Geschichte von Anpassung, Verrat und Widerstand“ (Verlag Bibliothek der Provinz) und der Roman „April in Stein“ (Residenz Verlag) über das Massaker im Zuchthaus Stein.


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