Haus Horner
Haus Horner
Haus Horner

Haus Horner

Wie schon bei dem zwei Jahre früher gebauten Haus Steiner, galten auch hier strenge Bauvorschriften.

Das Einfamilienhaus auf einer kleinen, unregelmäßigen und nach Süden abfallenden Parzelle hat in etwa quadratischen Grundriß von ca. 10 m Seitenlänge und weist dennoch an die 200 m2 Wohnfläche auf.

Wiederum gelang es Loos, ähnlich wie bei dem zwei Jahre früher gebauten Haus Steiner, die auch für manche Bereiche von Unter-St. Veit geltenden Bauvorschriften (straßenseitig mußte über dem Hochparterre die Dachzone beginnen) durch den Ausbau eines tiefgezogenen Daches zu umgehen. In diesem Fall sitzt ein halbtonnengewölbtes, ursprünglich mit Kupferblech, heute mit Zinkblech gedecktes Dach über dem Hochparterregeschoß. Es weist straßenseitig nur eine Luke zur Belichtung und Belüftung der im ersten Obergeschoß untergebrachten Nebenräume auf; gartenseitig sind zwei größere Fenster für das Bad und den Elternschlafraum eingeschnitten. Über dem ersten Obergeschoß liegt der Bodenraum mit jeweils zwei ovalen Fensteröffnungen auf den Mauerseiten. Dieses markante Dach, das gartenseitig durch den im Südosten angebauten Verandenteil trotz des betonten Vorsprunges nach links verschoben erscheint, gibt dem Äußeren des Hauses einen entscheidenden Akzent. Über der relativ kleinen, angebauten Veranda (4 m x 2 m) befindet sich ein Balkon.

Bis auf die nach Nordwesten gerichtete Fassade weisen alle anderen unregelmäßig gesetzte Tür- und Fensteröffnungen auf; sämtliche Fenster erfuhren später Veränderungen.
Die Geschoße sind durch das gesamte Haus durchgezogen. Die Höhen betragen im Hochparterre, ersten Obergeschoß und Dachboden (Scheitelhöhe) 3 m, im Souterrain 4 m bzw. 2,70 m.

Die Bedachtnahme auf möglichst geringe Baukosten zeigt sich besonders im Wegfall von tragenden Mittelmauern – die Trennwände bestehen aus Gips -, aber auch bei den Fenstern, deren Grundstruktur je nach Bedarf vervielfältigt werden kann. Loos wendete wieder die Zweiteilung in zu öffnende Flügel und darüber liegende kleingeteilte Felder an. Die Fenster bilden auch hier durch ihre weißen, in vertieften Ausschnitten sitzenden Raster einen spannungsreichen Kontrast zu den glatten Mauerflächen.
Trotz Kostenersparnis wurde nicht auf Solidität und Dauerhaftigkeit der Bauweise verzichtet; ein später ausgeführter gemauerter und gedeckter Graben um das Haus schützt es vor dem durch die Hanglage begünstigten Eindringen der Feuchtigkeit.

Im Souterrain, das wegen des schrägen Geländes verschiedene Höhen aufweist, sind die Garage, Wirtschaftsräume und ein im Südwesten angebautes, mit Glas gedecktes Gewächshaus untergebracht. Im Kellergeschoß befindet sich auch eine kleine Personalwohnung. 1916 ließ die damalige Besitzerin Emilie Lahar für ihren Mann, Oberstleutnant Anton Lahar, durch Karl Limbach im Souterrain anstatt der Hausbesorgerwohnung einen Stall für 3 Pferde und eine Sattelkammer einbauen; anstelle der Waschküche wurde eine Futterkammer eingerichtet.

Der straßenseitig gelegene Hauseingang führt in das Hochparterre, in dem sich ein kleiner Vorraum, das WC, die Küche mit Speis, die Wohndiele mit Aufgang in den ersten Stock, an sie anschließend das Speisezimmer mit Ausgang zur Veranda sowie der Salon befanden. Heute sind Wohndiele, Speisezimmer und Veranda ein einziger Raum. Von hier führt ein Stiegenabgang in den Garten.

Im ersten Obergeschoß befinden sich der Vorraum mit Zugang zum WC, das Elternschlafzimmer mit Ausgang zum Balkon, das Kinderzimmer, das Bad, ein Raum für das Dienstmädchen sowie ein Fremdenzimmer. Die weiß lackierten Einbauschränke sind von Loos selbst entworfen.
Im Haus war von Beginn an eine Zentralheizung eingebaut.

Nothartgasse 7

Baujahr: 1912
Architekt: Adolf Loos

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