Schloss Schönbrunn- Baugeschichte 18. Jahrhundert
Schloss Schönbrunn- Baugeschichte 18. Jahrhundert
Schloss Schönbrunn- Baugeschichte 18. Jahrhundert

Schloss Schönbrunn- Baugeschichte 18. Jahrhundert

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Schloss Schönbrunn für Maria Theresia und Franz Stephan aus- und umgebaut.

Im Winter 1742/43 begannen die ersten Herstellungsarbeiten an dem unvollendeten Schloss und gipfelten in der Folge in einem groß angelegten Umbauprojekt, das der Schlossanlage weitgehend das heutige Aussehen verlieh. Die erste Umbauphase von 1743–1749 erfolgte bereits in enger Kooperation mit Nikolaus Pacassi, der aufgrund seiner vor allem praktischen Fähigkeiten zum leitenden Architekten avancierte und 1749 zum Hofarchitekten ernannt wurde. Zuerst wurde mit dem Ausbau der Audienz- und Wohnräume im Ostflügel für Maria Theresia und Franz Stephan begonnen, die 1746 bereits bezogen werden konnten.

Ein Jahr zuvor fand die Einweihung der neu eingerichteten Schlosskapelle statt, die in ihrer räumlichen Struktur und Gliederung jedoch in der Gestaltung Fischers von Erlach erhalten blieb. Beim Umbau des Ostflügels wurden auch die beiden Innenhöfe angelegt und die so genannte Kapellenstiege errichtet, die die Erschließung der Nobeletage in diesem Bereich gewährleisten sollte.

Die darauffolgenden Arbeiten im Jahre 1746 umfassten den Abbruch der zentralen Freitreppenanlage Fischers an der Ehrenhofseite, um im Erdgeschoss des Mittelrisalites eine großzügige Durchfahrtshalle zu schaffen und in der darüber liegenden Nobeletage die Große und Kleine Galerie anzulegen. Gleichzeitig erfolgte die Errichtung der Blauen Stiege im westlichen Seitenflügel als repräsentativer Zugang in die Nobeletage, ohne dabei die Wandgliederung des vormals von Fischer von Erlach angelegten Speisesaales mit dem Deckenfresko von Sebastiano Ricci aus den Jahren 1702/03 zu zerstören.

Durch das Anwachsen der kaiserlichen Familie war 1748 im Ostflügel ein neuerlicher baulicher Eingriff erforderlich, indem zwischen der Nobeletage und dem Obergeschoss ein Mezzanin für die Bewohnung der kaiserlichen Kinder und deren Hofstaat eingefügt wurde.

Die beiden Galerien im Mitteltrakt des Schlosses boten Platz für Festlichkeiten im großen Rahmen, bei Familienfesten im intimeren Kreis stand die Kleine Galerie zur Verfügung. Noch fehlten bei dieser ersten Umgestaltung die reiche Stuckdekoration und die Deckenfresken in den beiden Festsälen. Bei privaten Anlässen konnte man über die geschwungenen Treppenläufe der neu errichteten Ehrenhofstiege auch direkt in die Große Galerie gelangen. Bei offiziellen Anlässen mussten die Besucher den langen Weg im Sinne des Antichambrierens von der Blauen Stiege bis zu den Audienzräumen des Kaiserpaares im Ostflügel zurücklegen, um dem höfischen Zeremoniell zu entsprechen.

Zu weiteren Umbauten dieser Zeit zählten auch die Verbindungsarkaden zu den Seitentrakten entlang des Ehrenhofes, die als Kavaliertrakte zur Unterbringung für das höher gestellte Hofpersonal dienten. Daran anschließend wurden weitläufige Wirtschaftsgebäude Richtung Meidling – darunter auch die Orangerie – und Richtung Hietzing errichtet. Diese Nebengebäude waren dringend notwendig, da die Benützung des Schlosses als Residenz und die damit verbundene Anwesenheit des gesamten Hofstaates eine entsprechende wirtschaftliche Versorgung erforderte. Schließlich musste Schönbrunn die Unterbringung und Versorgung von mehr als 1000 Personen gewährleisten.

Auf ausdrücklichen Wunsch Maria Theresias wurde im nördlichen Hoftrakt auch ein Schlosstheater errichtet und 1747 feierlich eröffnet. Als Sänger und Schauspieler betätigten sich unter anderem die zahlreichen Kinder der Kaiserin. Sie selbst tat sich als talentierte Sängerin hervor.

Bald nach 1750 sah sich Maria Theresia wiederum gezwungen, einen weiteren Ausbau des Schlosses in Angriff zu nehmen, dessen Planung und Ausführung von 1753–1763 ausschließlich in den Händen Pacassis lag. Durch das stete Anwachsen der kaiserlichen Familie und den damit verbundenen Bedarf an Räumlichkeiten wurde nun auch der Einbau eines Zwischengeschosses im westlichen Seitenflügel realisiert. Nachdem nun durch diesen baulichen Eingriff auch die Symmetrie am Außenbau hergestellt war, konnte die Fertigstellung der Fassaden in Angriff genommen werden. Die Gemälde des Schlosses Schönbrunn von Bernardo Belotto – genannt Canaletto – aus den Jahren 1759/60 zeigen die Hof- und Gartenfassade in ihrer kleinteiligen Gliederung und mit überaus reichem Fassadendekor, ein Erscheinungsbild, das für die Epoche des Rokoko typisch ist.

Die Arbeiten der zweiten Umbauphase beschränkten sich allerdings nicht nur auf räumliche Erweiterungen in den Obergeschossen des Hauptgebäudes und der Außenanlagen, sondern schlossen auch die Ausstattung der Repräsentationsräume mit ein. Die beiden Galerien wurden gewölbt und als Festräume mit einer prunkvollen Stuck- und Freskoausstattung versehen, die sie als eine der bedeutendsten Rokoko-Raumschöpfungen auszeichnen. Die Fresken wurden von Gregorio Guglielmi zwischen 1755 und 1761 ausgeführt, 1761/62 erfolgte die Stuckausstattung durch Albert Bolla. Auch die gartenseitigen Räume wurden zum Großteil im typischen Rokoko-Dekor mit überaus verspielten Formen, so genannten Rocaillen, mit Spiegeln und wandfesten Gemälden ausgestattet.

Nach dem plötzlichen Tod Kaisers Franz I. Stephan im Jahre 1765, der Maria Theresia besonders schwer traf, folgte eine neuerliche Ausstattungsperiode. Die verwitwete Kaiserin ließ mehrere Räume im Ostflügel der Anlage als Memorialräume einrichten und scheute keine Kosten, diese mit kostbaren chinesischen Lacktafeln, chinesischen Papiertapeten und wertvollsten Holzvertäfelungen zu versehen, die sich bis heute erhalten haben.

Im Erdgeschoss ließ sich Maria Theresia zwischen 1769 und 1777 die so genannten Bergl-Zimmer mit exotischen Landschaftsmalereien ausstatten, die sie während der heißen Sommermonate bewohnte.

Als letztes Projekt nahm die Kaiserin in den 1770er Jahren die Ausgestaltung des Gartens unter der Leitung des Hofarchitekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg in Angriff, der dem Schönbrunner Park mit der Errichtung der Gloriette, des Neptunbrunnens, der Römischen Ruine und des Obelisken seine architektonischen Akzente verlieh. Zudem wurden die Alleen, Brunnen und Plätze mit zahlreichen antiken Statuen und Skulpturen, ausgeführt von Wilhelm Beyer und seiner Werkstatt, bereichert. Die Umgestaltung des Schlosses und des Gartens kam erst kurz vor dem Tod Maria Theresias 1780 zum endgültigen Abschluss.

www.schoenbrunn.at

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