Goranin, Francis H.

Als Hitler in Österreich einmarschierte, verließ Francis Goranin sein Zuhause in der Hietzinger Hauptstraße. Heute lebt er in den Vereinigten Staaten.

Meine Eltern und ich wohnten in unserer Villa, Wien 13, Hietzinger Hauptstraße 51.

Meine Mutter stammt aus Tachau im Egerland und die Familie kam aus Worms in Deutschland, sie flüchteten als Folge der Kreuzzüge nach Böhmen. Die Familie meines Vaters kam ursprünglich aus Mattersburg im Burgenland, siedelte um 1800 nach Nadkanisza in Ungarn um. Ca. 1825 ging mein Grossvater nach Varazdin (Kroatien) wo mein Vater geboren wurde. Seine Mutter war in Kroatien geboren. Er absolvierte Pharmazie an der Universität Zagreb, übersiedelte ca. 1910 nach Wien, war dort Inhaber der Apotheke zur heiligen Corona Wien, Sechshauserstraße 104, die ihm im Frühling 1938 von den Nazis weggenommen wurde.

Studium
Ich studierte Pharmazie in Wien und Innsbruck und habe Österreich von dort aus am Tage von Hitlers Einmarsch für immer verlassen. Ich war ein Jahr in England und kam nach Amerika im März 1939. Ich arbeitete in Apotheken, machte die amerikanische Apothekerprüfung und wurde der Inhaber einer Apotheke. 1949 ging ich in das Reisebürogeschäft, wurde aktiv im Berufsleben und wurde 1986 zum Präsidenten der „American Society of Travel Agents“ gewählt – der erste nicht in Amerika geborene Präsident. Bin noch immer aktiv im Reisegeschäft

Synagoge
Wir waren nicht religiös, aber ich hatte eine Bar. Ich erinnere mich sehr gut an die Synagoge in der Eitelbergergasse, wir junge Hietzinger haben uns dort während der Feiertage getroffen, auch ein anderer Treffpunkt war das Hotel Hietzinger Hof. Unsere Wohnung war im 1. Stock der Villa, diese war gut und nett eingerichtet, das einzige was ich davon habe ist ein Teppich, den meine Eltern irgendwie mitnehmen konnten. Meine Freunde waren entweder aus den Schulen – Volksschule Hietzing am Platz und Privat Realgymnasium 19 in der Strassergasse in Grinzing. Meine Freizeit verbrachte ich meistens in Schönbrunn und später war ich bei den Pfadfindern. Ich kann mich leider nicht an die Namen meiner Hietzinger Freunde erinnern, einer war Kurt Gronner. Meine erste Begegnung mit Antisemitismus war auf der Lobkowitzbrücke, wo ich von Schulkollegen mit Schimpfe a la Saujude überfallen wurde.

Mein Vater, den ich zusammen mit meiner Mutter nach Amerika bringen konnte, kehrte 1949 nach Wien zurück, wo er wieder in seiner Apotheke arbeitete. Ich besuchte ihn im Sommer 1949 und blieb in Wien für 10 Tage. Seither bis 2001 war ich fast jedes Jahr dort. Es war immer sehr nett, aber ich lebe lieber in Amerika.