Die Geschichte der Schlosskapelle Schönbrunn

Seit Kaiser Joseph I. werden in der Schönbrunner Schlosskapelle Messen gelesen. Unter Maria Theresia war die Kapelle ein Zentrum der Seelsorge.

Auf Grund des ersten erhaltenen Inventars wird hier seit Kaiser Joseph I. – also seit Anfang des 18. Jahrhunderts – die Hl. Messe gelesen. Auch die musikalische Gestaltung der Gottesdienste ist uns schon damals verbürgt. Die Musiker hatten ihre „Stühl“ unter Joseph I. „unten in der Capellen“. Auf der „Tribüne“ hatten die Kammerdienerinnen ihre Plätze. Die Herrschaft hielt sich während der Gottesdienste meist im Kapellenschiff auf; nur ausnahmsweise benützte die kaiserliche Familie das Oratorium.

Mit großer Feierlichkeit wurde vom Schlosspersonal ab 1707 alljährlich das alte Patrozinium gefeiert. Mit Fahnen und Musik zog eine Prozession am Magdalenentag (22. Juli) von der Kapelle nach Maria Hietzing und zurück durch den Tiergarten. 1714 beteiligte sich die Herrschaft am Umgang. Starke Anziehungskraft übte sicher das anschließende Mahl für die Teilnehmer am Titularfest aus. Joseph I. widmete für dieses Festessen jährlich 100 Gulden. Sogar am 19. Juli 1729 – 18 Jahre nach dem Tod des Kaisers – bewilligte die Hofkammer für dieses „festo Divae Magdalenae“ immerhin noch 60 Gulden.

Zur Zeit Maria Theresias erlebte die Seelsorge in Schönbrunn eine besondere Blüte. Für das Seelenheil der 1000 Personen des Hofstaates sorgten 11 geistliche Herren. Ausschlaggebend dafür war bestimmt die große Kinderzahl der Kaiserin und die damit verbundene Ausweitung der Hofhaltung. Aus dem selben Grund ließ die Kaiserin 1773 – gleichzeitig mit der Vermehrung der "Tribünen" – auch die Oratorien und den Zugang zu ihnen von Ferdinand von Hohenberg (1732 – 1816) umgestalten.

Über kirchliche Handlungen, die die Mitglieder des Kaiserhauses betrafen, liegen kaum verlässliche Quellen vor; sie müssten zumindest erst ermittelt und zusammengetragen werden. Sicher fanden zur Erinnerung an den Todestag Josephs I. jährlich Gedenkmessen statt. Die Trauung der Eltern Maria Theresias 1708 fand jedenfalls nicht in der Schlosskapelle, sondern in Maria Hietzing statt. Im Gegensatz dazu begnügte sich Joseph II. – charakteristisch für seine Gesinnung – 1760 zu seiner Eheschließung mit Maria Isabella von Parma (1741 – 1763) mit dem bescheidenen Rahmen der Kapelle, der Stätte zahlreicher Vermählungen des Hofpersonals. Eines der letzten denkwürdigen Ereignisse aus der zeit der untergehenden Monarchie war wohl die Aufbahrung des in Schönbrunn verstorbenen Kaisers Franz Joseph I. (1830/1848 – 1916) im November 1916 vor der Überführung des Leichnams in die Hofburg.

Im Laufe ihres Bestandes hat die Schlosskapelle weit über den engeren Bereich von Schönbrunn hinaus mehr und mehr Anziehungskraft gewonnen. Aus den umliegenden Bezirksteilen hatte sich nach und nach um diese Zentrum eine gläubige Gemeinde gebildet. Diese war so gefestigt, dass sie sich nach dem Zusammenbruch von 1918 der geplanten Profanierung der Kapelle mit Erfolg widersetzen konnte. Aus ihrer Mitte rekrutierte sich in letzter Minute der "Verein zur Erhaltung der Kapelle Mariä Vermählung", der damals auch für die Bezahlung des ab 1924 von der Diözese bestellten Rektors aufkam. Eine Gebetserinnerungstafel im Vorraum der Kapelle hält die Namen der Rektoren bis in die jüngste Vergangenheit fest: Karl Ryba 1924, Stephan Zimmermann 1924/25, Johann Hegglin 1925/34, Karl Spendlingwimmer 1934/36, Josef Kern 1936/45, Josef Misliwetz 1945/67. Dann folgte Michael Reingruber 1967/2000.

Seit 13. Oktober 2000 wird die Schlosskapelle von Rekt. Ass. Michi Müller im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinarats Wien gemanaged. Die Schlosskapelle ist Zentrum religiösen und geistigen Lebens.

Mit freundlicher Genehmigung der Schlosskapelle Schönbrunn.

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