Zwischenkriegsjahre

Am 1. Jänner 1922 wurde Wien von Niederösterreich getrennt.

Nach dem ersten Weltkrieg wirkten die Parteien der Christlichsozialen, Sozialdemokraten und Großdeutschen Volkspartei. Gemeinsam schufen sie eine Bundesverfassung (Oktober 1920). Obwohl die Sozialdemokraten in Opposition waren, siegten sie über die Kroneninflation, ermöglichten die Einführung der neuen stabilen Schillingwährung.

Am 1. Jänner 1922 wurde Wien von Niederösterreich getrennt und bildet seither ein eigenes Bundesland. Einer der Gründe war (neben der befürchteten Dominanz Niederösterreichs im neuen Kleinstaat) die Differenz zwischen sozialdemokratischer Stadt- und christlichsozialer Landesregierung.

Für die wirtschaftliche und politische Instabilität der Ersten Republik war Wien die „Bühne“. Hier wurden im Parlament, in den Medien, in den politischen Organisationen und auch bei vielen Demonstrationen die politischen Entscheidungen der konservativen Regierung angegriffen bzw. verteidigt. Der Brand des Justizpalastes am 15. Juli 1927, bei dem es zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten mit insgesamt 94 Todesopfern kam, war ein Zeichen beginnender Radikalisierung.

Am 4. März 1933 erfolgte die „Selbstausschaltung“ des Nationalrates und die Regierung Dr. Engelbert Dollfuß konnte im Zuge von Notenverordnungen – unter Berufung auf das kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz aus dem Jahre 1917 – eine Stärkung der Staatsautorität erreichen.

Bereits am 31. März 1933 wurde der republikanische Schutzbund aufgelöst. Die Parteigegensätze wurden immer stärker. Auf beiden Seiten baute man die militärischen Organisationen immer mehr aus, die Gefahr eines Bürgerkriegs lag nahe und endete in unserem Bezirk mit dem Blutbad am Goldmarktplatz. Die ganze Tragik dieser Zeit spiegelt sich am besten in der Hinrichtung des unschuldigen Schwerverletzten Schuhmachers Karl Münchreiter.

Der Kampf der beiden großen politischen Lager kulminierte 1934 im „Februaraufstand“ der Sozialdemokraten (so die Regierungsversion) bzw. im „Bürgerkrieg, bei dem die Regierung das Militär gegen das Volk einsetzte“ (sozialdemokratische Lesart). Es folgte für vier Jahre die klerikale, halbfaschistische Diktatur des Ständestaates, der Wien zur „bundesunmittelbaren Stadt“ erklärte und seine demokratische Stadtverwaltung des Amtes enthob.

Am 12. März 1938 ließ Adolf Hitler, 1933 zum Reichskanzler bestellt, die deutsche Wehrmacht in Österreich einmarschieren, um hier die austrofaschistische Diktatur durch die NS-Herrschaft zu ersetzen.