Die Eigenkirchen in Hietzing

Die Grundherren waren bestrebt, Eigenkirchen zu errichten, denn dadurch erwarben sie eine neue Einnahmequelle, das spätere Zehentrecht.

Die babenbergischen Markgrafen residierten in Klosterneuburg und erst nach der Umwandlung der Mark in ein Herzogtum im Jahre 1156 wurde Wien die Hauptstadt Österreichs. Interessanterweise wird im selben Jahr erstmals ein Markwardus de Hacking, ein Ministeriale (Dienstmann) des Herzogs Heinrich ІІ. Von Babenberg urkundlich genannt.

Ein weiterer Nachweis über Hacking erfolgte 1217, wo ein Heinrich von Hacking als Marschall des österreichischen Herzog Leopold VІ. Erwähnung findet.

Die Markgrafen waren Beschützer und Förderer der Kirche. Obwohl seit dem 8. Jahrhundert die Kirchengewalt in stete Wachstum begriffen war, hatte in Österreich kein Bischof seinen Sitz. Wien wurde erst 1468 Bischofsstuhl.
Das vom ottonischen Kaiser Heinrich dem ІІ. Im Jahre 1007 begründete Bistum Babenberg wurde 1015 mit Godtinesfeld, dem späteren St. Veit, beschenkt. Da dien Gründung des Klosters in Klosterneuburg und Schenkung von Grund in Hietzing erst hundert Jahre später erfolgte, war vorerst St. Veit für die Kultur und Zivilisation der Hietzinger Wehrbausiedlungen sogar für Wien von großer Bedeutung.

Die Grundherren waren bestrebt, Eigenkirchen zu errichten, denn dadurch erwarben sie eine wichtige Einnahmequelle, das spätere Zehentrecht. Dieses Zehentrecht war der stärkste Ansporn der Kolonisation.
Allgemein wird in den Geschichtsbüchern Speising pfarrlich von Lainz abhängig gemacht. Speising war jedoch einmal eine eigene Pfarre und wird 1365 letztmals genannt.
Dr. Gottfried Scholz vermutet in seiner Geschichte der Pfarre Hütteldorf, dass Hacking auch einmal eine eigene Pfarre war und die heute noch im Lainzer Tiergarten stehende umgebaute Nikolaikapelle, die auch den Namen Eustachiuskapelle trägt, die Pfarrkirche der Ortschaft Hacking war.

Bemerkenswert ist die Urkunde vom 13. Jänner 1324, wo der Pfarrer von Laa, in seiner Eigenschaft als Provisor der Kirche St. Nikolai in Oberhacking bei Hütteldorf (in superiore Hekking prope Utelndorf) dem Vikar Nikolaus in Penzing die Kirche mit ihren Einkünften gegen die Zahlung von je 5 Pfund an den vier Quatembertagen überträgt.
Die Kapelle zu Ehren der seligen Jungfrau Maria in Hietzing wird erstmals 1253 urkundlich erwähnt, wo der Deutsche Ritterorden die Kapelle dem Stift Klosterneuburg übergibt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Kirche lebensfähig geworden. Es erfolgte allmählich eine neue kirchliche Organisation, deren Ursache im Kampf zwischen den Babenbergern und Staufern zu suchen ist. Hietzing und Penzing kamen in das Pfarrbereich von Klosterneuburg. Auch der „Deutsche Ritterorden“ musste den heutigen 13. Bezirk verlassen, denn seine Aufgabe, das Christentum unter Slawen zu verbreiten, war abgeschlossen.

Nur die Pfarre St. Veit wurde weder Tochterpfarre Wiens noch Klosterneuburgs, sondern blieb Eigenpfarre. Als Wien 1468 Bischofsstuhl wurde, wurde St. Veit an der Wien Aufenthaltsort der Wiener Bischöfe.

Das „Pergdaitungsbuch am untern guet zu Paumgartten“ bezeichnet am 11. 4. 1578 St. Veit als Pfarre und am 1. 8. 1738 als „erzbischöfliche pfarr St. Veit“. Die lange Kette der Wiener Bischöfe in Ober St. Veit schließt sich mit Erzbischof Kardinal König.