Jungsteinzeit

Die Jungsteinzeit dauerte ca. 6.000-1.800 vor Chr.

Der Mensch wird sesshaft, und die frühesten Bauernkulturen in unserer Heimat beginnen. Es ist nicht mehr fast ausschließlich die Jagd, die den Menschen mit Fleisch versorgt, sondern man beginnt bereits mit der Zucht von Rindern, Ziegen und Schweinen. Auch der Hund trat damals schon als Haustier auf. Doch die Hauptnahrungsmittel bilden bereits die Früchte der Felder. Man hält an der heimischen Erde fest, die man nur ungern verlassen möchte.
In dieser Zeit formt man auch weibliche Tonfiguren, die gebrannt werden. Diese Fruchtbarkeitssymbole lassen Rückschlüsse auf die Denkweise dieser Zeit zu - das mütterliche Prinzip.

Die Mahlzeiten, die früher am offenen Feuer zubereitet wurden, werden nun in großen Tongefäßen am Herd gekocht. Doch Geschirr ist zerbrechlich und bei der Neuerstellung werden immer wieder andere Gestaltungsideen und Verzierungsarten verwendet. So hat jede Zeitepoche auch die für sie charakteristische Keramik. Unsere engere Heimat gehörte dem donauländischen Kulturkreis an. Dazu gibt es Funde im Feldgarten von Schönbrunn und in der Wenzgasse. Dort wurden neben Steinwerkzeugen auch zahlreiche Keramikbruchstücke aufgefunden. In dieser Zeit finden sich bereits geschliffene Steinbeile. Weitaus zahlreicher sind die Hinterlassenschaften der bemalten Keramik.

Die Gesteinsvorkommen der Klippenzone dürften dazu geführt haben, sich mit der Gewinnung, Verarbeitung und dem Handel des hier vorkommenden Hornsteines oder Radiolarit zu beschäftigen. Am so genannten Flohberg in Lainz wurde ein Bergbaubetrieb mit zugehöriger Keramik aus dieser Zeit entdeckt. Der 10 m hohe Hügel wird im Norden durch die Gobergasse, im Osten durch die Steinhardtgasse und im Süden durch die Jagdschloßgasse begrenzt.

Ebenfalls wurden aus dieser Zeit noch weitere Fundstellen im Hörndlwald, Lainzer Tiergarten, Winkelbreiten, Künigelberg und Roter Berg festgestellt. Die Menschen dieser Zeit waren arbeitsam und friedlich, was sich in der späten Jungsteinzeit leider änderte. Die Menschen dieser Zeit verließen die fruchtbaren Ebenen und siedelten in höher gelegenen Gebieten, um einen weiten Blick in die Ferne zu haben. Zwar wurden die Felder weiter bestellt, aber diese Bauernkrieger mussten ständig auf der Hut vor feindlichen Angriffen sein. Es war die Zeit der nordischen Wanderungen. Zahlreiche Kulturströmungen brachten Unruhe und Bewegung in die einzelnen Stammesgruppen. Aus dieser Zeit sind auf dem Gemeindegebiet zwei Fundstellen - am Gemeindeberg (Seehöhe 320 m) und am Nikolaiberg (Seehöhe 268 m) bekannt. Hier wurden neben großen Mengen von Steinklingen, Schabern, Steinbeilen, Pfeilspitzen und unterschiedlich verzierte Keramik auch zwei Kupferpfriemen (eine art Dorn) gefunden.

Vom Fuß des Nikolaiberges stammt eine Lochaxt aus Hornblende- Andesit. Sie dürfte aus dem ungarischen Raum hierher gehandelt worden sein. Handelsware kam schon aus weit entfernten Gebieten, wie es auch bei den beiden erwähnten Pfriemen der Fall war. Das begehrte Steinmaterial verliert mehr und mehr an Bedeutung, der Beginn der Bronzezeit.