Klimt, Valerie

Valerie Klimt ging in die Volksschule Am Platz und nachher in die Wenzgasse. Ihre Flucht führte über Holland nach Indien.

Mein Name war Anna Valerie (Vally) Herlinger. Ich bin kurz nach dem Tode meines Vaters am 29. Dezember 1924 geboren. Ich lebte zuerst zusammen mit meiner Mutter und älteren Bruder in einer Wohnung in Mariahilf. Im Jahre 1926 kaufte meine Mutter ein Mietshaus (Hadikgasse 138) wo wir zusammen in einer eigenen Wohnung bis zur Auswanderung im April 1939 lebten. Meine Mutter hatte ein Wäschegeschäft in der Grimmgasse, wo sie von früh bis abend beschäftigt war. Als Witwe, die nie wieder heiratete, war das eine große Aufgabe, wie auch zwei Kinder aufzuziehen.

Im September 1931 trat ich in die Volksschule Hietzinger Platz ein, die ich bis 1935 besuchte. Dann im September 1935 bis Juli 1938 war ich im Oberlyzeum Hietzinger Mädchenmittelschule, Wenzgasse. Nach dem „Anschluss“ wurde ich zwangsweise in die jüdische Schule in der Stumpergasse umgeschult. Das Haus meiner Mutter wurde enteignet und ihr Geschäft nach der Kristallnacht geschlossen und nie wieder geöffnet.

Es wäre noch zu bemerken, dass meine Familie den Hietzinger Tempel regelmäßig besuchte, der prachtvolle „stained glass windows“ hatte und wo Kantor Einhorn sehr schöne Gottesdienste hielt. Auch dieser Tempel wurde in der Kristallnacht niedergebrannt. Meine Auswanderung hatte sich leider verzögert, da ich im letzten Moment an Scharlach erkrankte und in Quaratäne musste. Alles hatte meine Mutter bereits erledigt und alle Steuern bezahlt, duch musste sie wieder von Neuem beginnen und nochmals Reichsfluchtsteuer usw. erlegen.

Wir sind dann Ende April 1939 per Bahn nach Holland und schifften uns dort nach Indien ein. Ich blieb bis Anfang 1948 in diesem Land, habe zuerst eine Schule besucht, dann einen Kurs für Sekretärinnen gemacht, Kurzschrift usw. und bis zu meiner Abreise nach England in einem Büro gearbeitet. Meinen Mann, der auch aus Wien kam, habe ich im Juni 1948 geheiratet. Wir haben nun 3 Kinder und 6 Enkel.